Denk- und Handlungsfehler Teil III – Maßnahmen zur Vermeidung

Nahezu jeder von uns wird hin und wieder das Opfer von Denk- und Handlungsfehlern. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse zu der man gelangen muss um Fallstricke im Berufsleben, im Studium oder im Alltag erkennen zu können. Im dritten Teil meiner Beitragsreihe möchte ich einige Lösungsansätze vorstellen mithilfe derer es einfacher wird den Hindernissen, mit denen man sich im Leben umgibt, zu entkommen.

Ich habe im ersten Teil meiner Trilogie über solche Phänomene wie den „Rumpelstilzchen-Effekt“, das „thematische Vagabundieren“ oder das „ballistische Entscheidungsverhalten“ berichtet. Im zweiten Teil habe ich einige mögliche Ursachen für diese Fehler vorgestellt. Darunter waren zum Beispiel die häufig zu große Komplexität von Aufgaben, die Eigendynamik von Prozessen oder schlicht die Intransparenz einiger Situationen zu nennen. Alle diese Phänomene zusammen mit ihren Ursachen müssen zuerst erkannt werden um anschließend mit Hilfe verschiedener Techniken auf das Minimum reduziert zu werden.

Einige Maßnahmen zur Vermeidung/Reduzierung von Denkfehlern möchte ich an dieser Stelle vorstellen.

 Dem weht kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt.

Zielsetzung: Wie der französische Schriftsteller und Philosoph Michel de Montaigne im oben genannten Zitat andeutet, ist zielloses Umherirren wenig bis gar nicht effektiv. Deshalb sollte jedes Vorhaben mit der Zielsetzung beginnen. Dabei ist darauf zu achten, dass Ziele so wenig abstrakt wie möglich formuliert werden. Vorhaben wie „Alles soll besser werden“ bringen einem in der Regel nicht weit. Konkrete Ziele wie „Der Umsatz mit Produkt X soll im Zeitraum Y um Z% gesteigert werden“ geben einem eine genaue Richtung an.

Informationssammlung: Ist das Ziel erst mal bekannt, sollte man sich auf die Beschaffung von Informationen konzentrieren. Die Informationen sollten der „Zielrealität“ entsprechen und möglichst eine Hintergrundkontrolle ermöglichen. Gefährliche Situationen dürfen zwar unerwartet jedoch nie unvorhersehbar kommen. Viele Menschen machen jedoch hierbei einen entscheidenden Fehler. Sie suchen nach der Aufstellung einer Hypothese, bevorzugt nach bestätigenden Informationen und blenden wiedersprechende Signale einfach aus. Dadurch kann ein verzerrtes Bild der Realität entstehen wodurch man zum Opfer seiner Vorurteile wird.

Modellbildung: Die Informationssammlung dient auch der Modellbildung. Die gesammelten Informationen sollten zu einem Gesamtbild, ähnlich eines Puzzles, zusammengefügt werden. Bleibt es bei „Puzzleteilen“ ist die Betrachtung des Gesamtbildes unmöglich. Dadurch können etwaige Folgen oder Nebenwirkungen der Handlung wenig bis gar nicht abgeschätzt werden. Erst durch die Modellbildung, die unter Berücksichtigung aller Faktoren geschieht, ist eine vernünftige Planung sowie die vorsichtige Aufstellung von Prognosen möglich.

Planen ist der Entwurf neuer Handlungswege, die Vorbereitung von Entscheidungen und Maßnahmen. Planen ist die Synthese eines Weges durch ein Labyrinth von Möglichkeiten hin zum erwünschten Ziel.(Schaub, 2006)

Planung: Beim Planen gibt es viele verschiedene Strategien. Ein Plan sollte sowohl in der Erfüllung des Zieles enden, als auch eine Karte bieten, für den Weg der dahin beschritten werden muss. Typischer Fehler hierbei ist gar nicht erst zu planen, sondern sich immer nur „Durchzuwursteln“. Leider wird in der Praxis viel zu selten tatsächlich geplant. Die rationale Planung und Entscheidung übersteigt in der Regel die Problemlösungskapazitäten des Menschen. Sie berücksichtigt nicht die Ungenauigkeit der Informationen, dass sich die Ergebnisse und Werte gegenseitig beeinflussen können oder die Schwierigkeit der Bewertung oder Beurteilung von Problemen. Somit bleibt es für viele nur beim bereits genannten „Durchwursteln“.

Effektkontrolle: Die Umsetzung einer Maßnahme ist nicht mit dem Erfolg dessen gleichzusetzen. Nur weil man einen Plan in die Tat umsetzen will heißt es noch lange nicht, dass die damit verbundenen Ziele auch erreicht werden. Vielmehr ist es von essentieller Bedeutung die zum Teil sogar sehr langwierigen Effekte der Handlung zu verfolgen und zu kontrollieren. Es müssen gegebenenfalls geeignete Anpassungen vorgenommen werden und es müssen manchmal sogar die Ziele neu ausgerichtet werden. Häufig führen Problemlöser die Kontrollen nur eingeschränkt durch, indem sie beispielsweiße nur die Gründe für den Erfolg, aber nicht die für den Misserfolg suchen. Bei der Effektkontrolle ist es jedoch wichtig Informationen über den Erfolg oder Misserfolg des eigenen Handelns zu erkennen. Was wurde gut gemacht, wo sind Mängel feststellbar? Aus der Analyse des Verlaufs sollen Schlüsse über den weiteren Verlauf der Handlung gezogen werden.

 Du kannst Fehler erst dann ausmerzen, wenn du sie erkennst.

Selbstreflexion: Sich selbst kritisch zu hinterfragen steht bei den meisten Menschen nicht auf der täglichen „to do“ Liste. Erst recht nicht bei erzielten Erfolgen. Aus diesem Grund trägt Erfolg oft die Wurzel des Misserfolgs in sich. Menschen neigen oft zum sogenannten „Fundamentalen Attributionsfehler“. Dieser besagt, dass wir den Grund für Erfolg bei uns selbst sehen, den für Misserfolg aber der Situation, den Umständen oder anderen Menschen zuschreiben. Aufgrund dieser Verzerrung können oft die größten Erfolge im Laufe der Zeit zu Misserfolgen führen. Zudem bleiben Menschen nach Erfolgen häufig in der „Confort Zone“. Soll heißen, man wird konservativ und wendet immer wieder die gleichen erfolgreichen Methoden an. Schließlich hat es ja schon mal funktioniert. Es ist deshalb von herausragender Bedeutung festzustellen wodurch die Erfolge erzielt werden. Die Fähigkeit sich mit sich selbst, seinen Fähigkeiten, seiner Arbeit und seiner eigenen Umwelt kritisch auseinander zu setzen gehört zu einer der wichtigsten Eigenschaften eines bewusst Handelnden.

Alle oben genannten Maßnahmen können in unterschiedlichen Abstufungen praktiziert werden. Eines ist dabei sicher: Je bewusster man an die Sache heran geht, je präziser man untersucht, je genauer man plant, je öfter man den Fort-/Rückschritt evaluiert und je kritischer man sich selbst in Beziehung zu alledem betrachtet, desto größer sind die Chancen Erfolge zu erzielen.

Das Motto lautet: BEWUSST ERLEBEN.

Bis bald.

Quelle: Handbuch der Allgemeinen Psychologie – Kognition(Funke und Frensch, 2006)

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Der “Rumpelstilzchen-Effekt”

Denk- und Handlungsfehler. Teil eins: Der “Rumpelstilzchen-Effekt”.

“Heute brau´ich, morgen back´ich, übermorgen hol´ich der Königin ihr Kind”.

Was den Protagonisten im Märchen passiert kann auch jedem im Alltag oder im Büro passieren. Menschen haben einen ausgeprägten Hang zum ungerechtfertigten Planungsoptimismus, sie neigen dazu dem “Rumpelstilzchen-Effekt” zu verfallen. Viele Planer nehmen jeweils den günstigen Verlauf an und blenden mögliche Störungen einfach aus. Diesen Effekt bezeichnete schon General Klausewitz, ein Analytiker militärischer Kriegsführung, im seinen Buch “Vom Kriege” (1832) als das nichtbeachten von Friktionen(Umwegbarkeiten).

Die meisten Probleme im Unternehmen sind selbstgemacht. Fehlentscheidungen werden auf allen Ebenen gemacht. Die Konsequenzen des Fehlhandelns steigen natürlich mit der Höhe der Verantwortungsebene. Auf höchster Managementebene sind Fehlprognosen- und Entscheidungen mitunter fatal. Wer es schafft die Zeichen zu erkennen hat gute Chancen die richtigen Weichen im Unternehmen zu stellen. Einige dieser Anzeichen möchte ich gerne hier vorstellen.

Thematisches Vagabundieren. Viele Entscheider verfallen diesem Effekt. Sie wechseln schnell zwischen verschiedenen Problembereichen ohne die Probleme wirklich gelöst zu haben. Es werden viele Themen angegangen, nichts zu ende gebracht. Durch den Aktionismus wird dem Entscheider selbst aber auch den Kollegen und/oder Vorgesetzten Handlungs- und Entscheidungskompetenz vorgegaukelt.

Ballistisches Entscheidungsverhalten. Häufig geschieht Handeln unter der Maxime ” Aus den Augen, aus dem Sinn”. Dieses “fire and forget” Verhalten führt dazu, dass viele Entscheidungen, ganz wie Gewehrkugeln die abgefeuert wurden, nicht mehr kontrolliert werden können. Die meisten Prozesse sind viel zu vielfältig als das sie mit nur einer Entscheidung und ganz ohne Kontrolle ins Schwarze treffen. Viele dieser Entscheidungen kommen entweder gar nicht an, kommen nur in einer veränderten Form an, oder versanden im Hierarchie- und Kompetenzdschungel.

Einkapselung.  Für alle Beteiligten ist komplexes Handeln ständig mit neuen Problemen und Schwierigkeiten verbunden und ist gekennzeichnet durch Misserfolge, Pannen und Enttäuschungen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass einige Protagonisten sich durch Einkapseln in der eigenen “Confort-Zone” von der Realität abwenden. Der frustrierte Protagonist trifft die Entscheidungen nicht mehr nach Wichtigkeit und Dringlichkeit, sondern nach der eigenen Bewältigungsfähigkeit und somit nach der Erfolgswahrscheinlichkeit aus. Er macht also was er kann und nicht war er machen sollte.

Dogmatische Verschanzung. Die Welt verhält sich oft nicht so, wie dies der Entscheider meint oder hofft. Diskrepanzen zwischen dem eigenen inneren Modell der Welt und der Welt selbst können von Menschen auf verschiedene Weisen verringert werden. Zu diesem Zweck kann der Entscheider sein inneres Konzept der Welt anpassen. Dies geschiet durch lernen. Hierbei müssen Meinungen angepasst oder neu überdacht werden, man ist gezwungen Fehler zuzugeben. All dies könnte mangelnde Kompetenz bedeuten was man vor sich und der Umwelt zugeben müsste. Häufig ist es einfacher sich die eigene Wahrheit zu definieren und Dogmen aufzustellen.

“Die Welt ist eine Scheibe”

Die Sache ist so, wie ich sie sehe, und damit Schluss! Wer eine andere Meinung als ich hat, ist gegen mich. Wer so handelt verschließt die Augen vor der Realität.

Dies sind nur einige der mannigfaltigen Anzeichen an denen man erkennen kann, dass eine Fehlentwicklung im Unternehmen, im Studium oder im Alltag statt findet. Wie ich eingangs erwähnt habe, muss um eine Korrektur einleiten zu können, zunächst erkannt werden, um welche Art Fehlentwicklung es sich handelt und man muss verstehen wo die Ursachen liegen. Diese möchte ich im Teil zwei vorstellen.

Bis bald.

 

Quelle:Handbuch der Psychologie – Kognition(Funke, Frensch 2006)

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