Der “Rumpelstilzchen-Effekt”

Denk- und Handlungsfehler. Teil eins: Der “Rumpelstilzchen-Effekt”.

“Heute brau´ich, morgen back´ich, übermorgen hol´ich der Königin ihr Kind”.

Was den Protagonisten im Märchen passiert kann auch jedem im Alltag oder im Büro passieren. Menschen haben einen ausgeprägten Hang zum ungerechtfertigten Planungsoptimismus, sie neigen dazu dem “Rumpelstilzchen-Effekt” zu verfallen. Viele Planer nehmen jeweils den günstigen Verlauf an und blenden mögliche Störungen einfach aus. Diesen Effekt bezeichnete schon General Klausewitz, ein Analytiker militärischer Kriegsführung, im seinen Buch “Vom Kriege” (1832) als das nichtbeachten von Friktionen(Umwegbarkeiten).

Die meisten Probleme im Unternehmen sind selbstgemacht. Fehlentscheidungen werden auf allen Ebenen gemacht. Die Konsequenzen des Fehlhandelns steigen natürlich mit der Höhe der Verantwortungsebene. Auf höchster Managementebene sind Fehlprognosen- und Entscheidungen mitunter fatal. Wer es schafft die Zeichen zu erkennen hat gute Chancen die richtigen Weichen im Unternehmen zu stellen. Einige dieser Anzeichen möchte ich gerne hier vorstellen.

Thematisches Vagabundieren. Viele Entscheider verfallen diesem Effekt. Sie wechseln schnell zwischen verschiedenen Problembereichen ohne die Probleme wirklich gelöst zu haben. Es werden viele Themen angegangen, nichts zu ende gebracht. Durch den Aktionismus wird dem Entscheider selbst aber auch den Kollegen und/oder Vorgesetzten Handlungs- und Entscheidungskompetenz vorgegaukelt.

Ballistisches Entscheidungsverhalten. Häufig geschieht Handeln unter der Maxime ” Aus den Augen, aus dem Sinn”. Dieses “fire and forget” Verhalten führt dazu, dass viele Entscheidungen, ganz wie Gewehrkugeln die abgefeuert wurden, nicht mehr kontrolliert werden können. Die meisten Prozesse sind viel zu vielfältig als das sie mit nur einer Entscheidung und ganz ohne Kontrolle ins Schwarze treffen. Viele dieser Entscheidungen kommen entweder gar nicht an, kommen nur in einer veränderten Form an, oder versanden im Hierarchie- und Kompetenzdschungel.

Einkapselung.  Für alle Beteiligten ist komplexes Handeln ständig mit neuen Problemen und Schwierigkeiten verbunden und ist gekennzeichnet durch Misserfolge, Pannen und Enttäuschungen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass einige Protagonisten sich durch Einkapseln in der eigenen “Confort-Zone” von der Realität abwenden. Der frustrierte Protagonist trifft die Entscheidungen nicht mehr nach Wichtigkeit und Dringlichkeit, sondern nach der eigenen Bewältigungsfähigkeit und somit nach der Erfolgswahrscheinlichkeit aus. Er macht also was er kann und nicht war er machen sollte.

Dogmatische Verschanzung. Die Welt verhält sich oft nicht so, wie dies der Entscheider meint oder hofft. Diskrepanzen zwischen dem eigenen inneren Modell der Welt und der Welt selbst können von Menschen auf verschiedene Weisen verringert werden. Zu diesem Zweck kann der Entscheider sein inneres Konzept der Welt anpassen. Dies geschiet durch lernen. Hierbei müssen Meinungen angepasst oder neu überdacht werden, man ist gezwungen Fehler zuzugeben. All dies könnte mangelnde Kompetenz bedeuten was man vor sich und der Umwelt zugeben müsste. Häufig ist es einfacher sich die eigene Wahrheit zu definieren und Dogmen aufzustellen.

“Die Welt ist eine Scheibe”

Die Sache ist so, wie ich sie sehe, und damit Schluss! Wer eine andere Meinung als ich hat, ist gegen mich. Wer so handelt verschließt die Augen vor der Realität.

Dies sind nur einige der mannigfaltigen Anzeichen an denen man erkennen kann, dass eine Fehlentwicklung im Unternehmen, im Studium oder im Alltag statt findet. Wie ich eingangs erwähnt habe, muss um eine Korrektur einleiten zu können, zunächst erkannt werden, um welche Art Fehlentwicklung es sich handelt und man muss verstehen wo die Ursachen liegen. Diese möchte ich im Teil zwei vorstellen.

Bis bald.

 

Quelle:Handbuch der Psychologie – Kognition(Funke, Frensch 2006)

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