Was macht uns wirklich glücklich?

Sicher hat sich jeder von uns schon mal gefragt was uns glücklich macht. Ist es Reichtum oder berühmt sein oder ist es die berufliche Erfüllung? Im Rahmen einer aktuellen Umfrage antworteten 80% der befragten junge Erwachsenen, dass Geld sei das Mittel zum Glück und 50 % derselben jungen Erwachsenen sagten dazu sie wollten berühmt werden. Aber ist es wert für diese Ziele sich bei der Arbeit bis zur Erschöpfung zu quälen? Und überhaupt lohnt sich das? Können wir die Zukunft vorraussagen und prognostizieren, dass wir glücklicher werden je mehr wir uns bei unserer Kariere anstrengen?

Diese Fragen haben sich Robert Waldinger und seine Kolleginnen und Kollegen an der Harvard Universität auch gestellt. Hier, an der Harvard Universität, hat man vor etwa 75 Jahren eine Langzeitstudie mit 720 männlichen Probanden gestartet und diese dauert bis heute noch an. Diese Entwicklungsstudie ist die längste Studie dieser Art weltweit. Etwa 60 der ursprünglich 720 Probanden sind noch am Leben und nehmen bis heute an der Langzeitstudie teil. Einigen der ca. 2000 Kinder dieser Männer nehmen ihrerseits an der studie Teil und Robert Waldinger ist der inzwischen vierte Leiter der Studie. Solche Untersuchungen sind extrem selten und haben einen unschätzbaren Wert für die Wissenschaft.

Es gab zwei Gruppen von männlichen Teilnehmern: Einerseits eine Gruppe von an der Harvard Univeristät Studierenden und andererseits einige der ärmsten Kinder Bostons, die meistens auf der Strasse lebten und größtenteils eher pessimistische Perspektiven für das weitere Leben aufwiesen. Diese wurden nicht lediglich mittels Fragebögen befragt sondern wurden alle zwei Jahre persönlich interviewt, ihre Krankenakten wurden ausgewertet, ihre Blutwerte wurden untersucht, ihre Gehirne wurden mittels MRT und fMRT untersucht, Ihre Kinder wurden befragt oder sie wurden sogar in der Interaktion mit ihren Frauen gefilmt. Ein riesiger Aufwand wurde betrieben um rauszufinden was diese Menschen glücklich macht. Die Anworten zeugten nicht von Reichtum, Ruhm und Erfolg. Das Ergebnis war ganz eindeutig:

Gute Beziehungen halten uns glücklicher und gesünder. ENDE

Aus den Ergebnissen konnten die Wissenschaftler drei große Lehren über Beziehungen ziehen:

  1. Soziale Beziehungen sind richtig gut für uns, Einsamkeit tötet. Es zeigte sich, dass Menschen die besser in ihre soziale Umwelt vernetzt und eingebunden waren, z.B. zu Freunden, Familie oder sozialen Einrichtungen, glücklicher sind, weisen eine bessere physische und psychische Verfassung auf und dass Sie im Schnitt länger lebten als Menschen die weninger oder weniger gut vernetzt waren.
  2. Es kommt nicht auf die Anzahl von Freunden oder auf die Menge an Teilnahmen im sozialen Umfeld sondern auf die Qualität dieser Beziehungen an. Das Leben in konfliktbehafteten Umgebungen oder Beziehungen stellte sich sogar als sehr gesundheitsschädigend heraus. Dagegen wirkte sich das Leben in guten und warmherzigen Beziehungen schützend auf die Gesundheit aus. Es zeigte sich, dass die Menschen im Alter von vierzig die am Glücklichsten in ihrer Beziehung waren, im Alter von achzig am gesündesten waren und das diese Menschen im Schnitt länger lebten.
  3. Gute Beziehungen schützen nicht nur unseren Körper sondern auch unseren Geist. Es zeigte sich, dass Menschen die im Alter um die achzig die in einer sicheren und liebevollen Beziehung lebten, ein besseres Gedächtniss behielten und zwar für wesentlich längere Zeit.

Bei allen diesen Ergebnissen geht es allerdings nicht um Menschen die immer im Einklang lebten, die nie stritten oder die immer einer Meinung waren. Keineswegs! Es wurde gestritten, diskutiert und verhandelt. Es gab wie in jeder Beziehung Hochs und Tiefs. Worauf es wirklich an kam war das Gefühl sich jederzeit aufeinander wirklich verlassen zu können.

Robert Waldinger fragt sich zu recht warum nach dieser Erkenntnis die Menschen nicht einfach dieser Philosophie folgen um glücklich zu werden. Die einfache Antwort: weil wir eben Menschen sind. Wir suchen stehts den schnellen und vermeintlich einfachen Weg aus. Beziehungen sind anstrengend und kompliziert, das commitment zur Familie bedeutet etwas von den persönlichen Ansprüchen zurück zu stellen, geben und nicht nur nehmen. Freundschaften kosten Energie, Zeit und Mühe und lassen sich nur durch Hingabe und Zuneigung am Leben erhalten.

Was ist mit Ihnen? Sind Sie glücklich? Was könnten Sie machen um glücklicher zu werden? Haben Sie einen Freund oder Verwandten den sie schon lange wieder sprechen oder besuchen wollen und es aus welchem Grund auch immer einfach nicht getan haben? Wollen Sie nicht lieber die Zeit die Sie vor irgendwelchen Endgeräten verbringen mit Zeit bei anderen Menschen tauschen? Es ist bekannt, dass man sogar in einer Menschenmenge einsam sein kann. Wollen wir das nicht lieber gemeinsam ändern, jeder für sich? Ich will!

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